Englische Lieder

Kaum einer versteht sie, aber alle lieben sie. Die Rede ist natürlich von englischen Liedern. Keine andere Sprache ist so beliebt unter Künstlern wie Englisch. Warum, liegt ja auch auf der Hand. Englisch ist die "Weltsprache", sie strahlt etwas globales, internationales aus - und das ist schlicht und ergreifend cool. Dass man die Songs dann trotzdem in den wenigsten Fällen versteht, ist dann nur Nebensache. Die Hauptsache ist, dass man in ist. Dass das schon peinlich werden kann, zeigt sich, wenn sich herausstellt, dass selbst so mancher Interpret selber gar nicht weiß, was er denn überhaupt singt. Den Text von einem professionellen Schreiber vorgelegt, lohnt es sich scheinbar gar nicht, ihn wenigstens in eine Internet-Übersetzungsmaschine zu schmeißen. Wird schon romantisch und politisch korrekt sein, was man dann da singt.

Ein anderes Phänomen, welches Fremdschämen erster Klasser hervorruft, ist die nicht immer astreine Aussprache so mancher Chartstürmer. Vor allem die Kollegen aus der Schlagerbranche tun sich bisweilen etwas schwer mit der englischen Phonetik und trällern nach dem Motto "Mehr schlecht als recht". Demgegenüber könnte man dann eigentlich nur noch stellen: "Nicht schön, aber selten!".

Man sollte die englischen Lieder vielleicht doch eher den Profis überlassen. Diese wissen immerhin (in den meisten Fällen), was sie da singen und wie man die Worte richtig ausspricht. Dann hat man als Hörer nämlich auch die winzige, aber reelle Chance, die Lieder doch zu verstehen. Ist das der Fall, gehört man definitiv auch zu den Coolen. Denn wer die englischen Texte versteht, kann sie auch fehlerfrei gesanglich wiedergeben - eine Gabe, die auch nicht jeder besitzt und die ihres Zeichens auch gerne für Fremdschämen sorgt.